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NVI Tiefbau und Infrastruktur GmbH
Regenwasser fließt über eine Entwässerungsrinne mit Gitterrost ab

Ratgeber

Regenwasser versickern: Mulde, Rigole oder Sickerschacht?

Regenwasser auf dem Grundstück versickern: Pflicht in NRW, Genehmigung, geeigneter Boden, Mulde, Rigole oder Sickerschacht – und wie viel Gebühr Sie sparen.

Von NVI Tiefbau und Infrastruktur GmbH · Veröffentlicht

Regenwasser lässt sich über Rasenflächen, Mulden, Rigolen oder Sickerschächte in den Boden leiten. Voraussetzung ist ein durchlässiger Boden mit einem kf-Wert zwischen etwa 10⁻³ und 10⁻⁶ m/s und genug Abstand zum Grundwasser. In NRW gilt für seit 1996 neu bebaute Grundstücke eine Pflicht zur ortsnahen Beseitigung, Anlagen brauchen meist eine wasserrechtliche Erlaubnis.

Das Wichtigste in Kürze

  • In NRW soll Regenwasser von Grundstücken, die nach dem 1. Januar 1996 bebaut oder angeschlossen wurden, vor Ort versickert oder eingeleitet werden (§ 44 LWG NRW).
  • Flächenversickerung über Rasen ist meist erlaubnisfrei, Mulden, Rigolen und Sickerschächte brauchen in der Regel eine Erlaubnis.
  • Der Boden entscheidet: Unterhalb eines kf-Werts von 10⁻⁶ m/s reicht Versickerung allein nicht aus.
  • Gebühr sparen: In Dortmund kostet jeder angeschlossene Quadratmeter 2026 1,80 Euro im Jahr – wer abkoppelt, spart bis zu 100 Prozent davon.

Muss ich Regenwasser auf meinem Grundstück versickern?

In Nordrhein-Westfalen gilt: Niederschlagswasser von Grundstücken, die nach dem 1. Januar 1996 erstmals bebaut, befestigt oder an die Kanalisation angeschlossen wurden, soll ortsnah beseitigt werden – also versickert, verrieselt oder in ein Gewässer eingeleitet (§ 44 Landeswassergesetz NRW in Verbindung mit § 55 Absatz 2 Wasserhaushaltsgesetz).

Ob das auf Ihrem Grundstück konkret verlangt wird, regeln die Abwassersatzung Ihrer Stadt und oft der Bebauungsplan. Für Bestandsgebäude, deren Regenwasser schon immer in den Kanal läuft, besteht in der Regel keine Pflicht zum Umbau – die Abkopplung kann sich aber über die Gebühr lohnen.

Welche Versickerungsanlagen gibt es?

Es gibt vier gängige Arten, Regenwasser auf dem Grundstück zu versickern. Das Regelwerk DWA-A 138-1 gibt der Versickerung durch die belebte Bodenschicht den Vorrang, weil der Oberboden Schadstoffe zurückhält. Je weiter unten in der Tabelle, desto weniger Platz braucht die Anlage – aber desto weniger reinigt der Boden das Wasser.

AnlageSo funktioniert siePlatzbedarf
FlächenversickerungWasser läuft auf Rasen oder durchlässiges Pflastergroß
Muldeflache, begrünte Senke speichert das Wasser kurzetwa 10–20 % der angeschlossenen Fläche
Rigole / Mulden-Rigoleunterirdischer Speicher aus Kies oder Kunststoffblöckengering, liegt unter Rasen oder Weg
SickerschachtSchacht leitet Wasser punktuell in die Tiefesehr gering
Flächenbedarf der Mulde nach forum-verlag.com zu DWA-A 138-1. Wie eine Rigole aufgebaut ist, steht im Artikel Rigole: Aufbau, Größe und Kosten.

Der Sickerschacht ist die platzsparendste Lösung, aber auch die mit der geringsten Reinigungswirkung. Behörden genehmigen ihn meist nur, wenn Mulde oder Rigole auf dem Grundstück nicht möglich sind.

Ist mein Boden für die Versickerung geeignet?

Wie schnell Wasser im Boden versickert, beschreibt der Durchlässigkeitsbeiwert, kurz kf-Wert. Er wird in Metern pro Sekunde angegeben und über einen Sickerversuch oder ein Bodengutachten ermittelt.

kf-Wert (m/s)BedeutungTypische Böden
größer 10⁻³sehr durchlässig, Wasser fließt schnell ab – Schutz des Grundwassers prüfengrober Kies
10⁻³ bis 10⁻⁶gut geeignet für VersickerungSand, Kies, sandiger Lehm
kleiner 10⁻⁶Versickerung allein reicht nicht, Überlauf oder Drossel nötigLehm, Löss, Ton, Mergel
Bereich nach DWA-A 138-1 (Ausgabe 10/2024).

Im Rheinland versickert Wasser auf den Kies- und Sandterrassen entlang des Rheins meist gut. Im Ruhrgebiet stehen dagegen oft Lehm und Emschermergel an, die kaum Wasser durchlassen – dort braucht die Anlage einen Überlauf. Mehr zu den Böden der Region im Artikel Bodenklassen und Homogenbereiche.

Zum Grundwasser muss unter der Anlage genug Boden liegen, damit das Wasser gefiltert wird. Nach DWA-A 138-1 sind das in der Regel mindestens 1 Meter bis zum mittleren höchsten Grundwasserstand.

Brauche ich eine Genehmigung, um Regenwasser zu versickern?

Meistens ja. Wer Regenwasser gezielt über eine Anlage ins Grundwasser leitet, braucht eine wasserrechtliche Erlaubnis der Unteren Wasserbehörde. Die Stadt Köln nennt ausdrücklich Mulden, Mulden-Rigolen, Rohrrigolen und Sickerschächte als erlaubnispflichtig.

  • Erlaubnisfrei, aber anzeigepflichtig: großflächige Versickerung über Rasen, also über die belebte Bodenzone.
  • Erlaubnispflichtig: Mulden, Rigolen, Sickerschächte.
  • Unterlagen: Antrag, Erläuterung, Berechnung nach DWA-A 138-1, Nachweis zum Boden, Lageplan mit Abständen, Schnittzeichnung.
  • Gebühr: in Köln mindestens 200 Euro, je nach Aufwand.

Die Anforderungen sind in anderen Städten ähnlich, im Detail aber unterschiedlich. Zuständig ist die Untere Wasserbehörde Ihrer kreisfreien Stadt oder Ihres Kreises.

Wie viel Niederschlagswassergebühr spart die Versickerung?

Die Niederschlagswassergebühr zahlen Sie für jeden versiegelten Quadratmeter, von dem Wasser in den öffentlichen Kanal läuft. In Dortmund sind das 2026 1,80 Euro pro Quadratmeter und Jahr. Wer das Wasser auf dem Grundstück behält, zahlt weniger.

Maßnahme in DortmundErmäßigung
Versickerung ohne Überlauf zum Kanal (vollständig abgekoppelt)100 %
Versickerung oder Rückhaltung mit Überlauf, mind. 30 Liter je angeschlossenem m²50 %
Regenwassernutzung mit mind. 4 m³ Speicher50 %
Wasserdurchlässiges Pflasterkeine Ermäßigung
Quelle: Stadt Dortmund, Gebühreneinsparungen, abgerufen 09/2026. Antrag formlos beim Steueramt.

Beispiel: Ein Einfamilienhaus mit 150 m² Dach- und Hoffläche zahlt in Dortmund 270 Euro im Jahr. Vollständig abgekoppelt entfällt der Betrag ganz, mit Überlauf halbiert er sich auf 135 Euro. Bei Kosten von 2.000 bis 5.000 Euro für eine Rigole rechnet sich die Anlage über die Gebühr allein also erst nach vielen Jahren – oft ist sie aber ohnehin vorgeschrieben.

Andere Städte haben andere Sätze und Regeln. Den aktuellen Wert finden Sie in der Gebührensatzung oder auf dem Gebührenbescheid.

Was ist bei Nachbarn und Abständen zu beachten?

  • Keller schützen: Versickerungsanlagen gehören nicht direkt ans Haus. Als Anhaltswert gelten 6 Meter oder das 1,5-fache der Baugrubentiefe bei nicht abgedichteten Kellern.
  • Nachbargrundstück: Wasser darf nicht zum Nachteil eines tiefer liegenden Grundstücks verstärkt oder umgelenkt werden (§ 37 Wasserhaushaltsgesetz).
  • Nicht über Leitungen: Keine Anlage über Kellern, Tiefgaragen oder unterirdischen Leitungen.
  • Verschmutzte Flächen: Wasser von Stellplätzen mit viel Verkehr oder Gewerbeflächen braucht eine Vorreinigung oder darf gar nicht versickert werden.

Häufige Fragen

Darf ich einen Sickerschacht selber bauen?

Bauen dürfen Sie ihn selbst, betreiben aber in der Regel nur mit wasserrechtlicher Erlaubnis. Dafür verlangt die Behörde eine Bemessung nach DWA-A 138-1 und einen Nachweis, dass der Boden geeignet ist. Ohne Erlaubnis droht ein Bußgeld und im Zweifel der Rückbau.

Was kostet eine Versickerungsanlage?

Für ein Einfamilienhaus liegt eine Rigole vom Fachbetrieb meist bei 2.000 bis 5.000 Euro. Eine Mulde ist günstiger, braucht aber mehr Platz. Dazu kommen Genehmigung und gegebenenfalls ein Sickerversuch. Details stehen im Artikel zur Rigole.

Kann ich Regenwasser einfach in den Garten laufen lassen?

Wenn das Fallrohr auf eine große Rasenfläche entwässert und kein Wasser zum Nachbarn oder an die Hauswand läuft, ist das eine Flächenversickerung. Sie ist meist erlaubnisfrei, muss aber oft angezeigt werden. Auf Lehmboden bleibt das Wasser allerdings schnell stehen.

Zisterne oder Versickerung – was ist besser?

Beides lässt sich kombinieren: Die Zisterne sammelt Wasser für Garten und WC, ihr Überlauf geht in eine Versickerung. In Dortmund bringt eine Zisterne mit mindestens 4 m³ allein bereits 50 Prozent Gebührenermäßigung.

Fazit

Regenwasser zu versickern ist in NRW für neu bebaute Grundstücke der Regelfall und senkt bei Bestandsgebäuden die Niederschlagswassergebühr. Welche Anlage passt, hängt von Boden, Platz und Grundwasser ab: Flächenversickerung und Mulde vor Rigole, Rigole vor Sickerschacht. Für Mulden, Rigolen und Schächte ist in der Regel eine Erlaubnis der Unteren Wasserbehörde nötig.

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Quellen

Preisangaben sind Richtwerte aus den genannten Quellen und ersetzen kein Angebot. Der tatsächliche Preis hängt von Fläche, Boden, Zugänglichkeit und Material ab.

Entwässerung & Leitungsbau vom Fachbetrieb

Dieser Ratgeber stammt von der NVI Tiefbau und Infrastruktur GmbH. Wir führen Tiefbau-, Erd- und Pflasterarbeiten im Ruhrgebiet und im Rheinland aus – mit Betriebshof in Dortmund und Sitz in Monheim am Rhein. Wir sehen uns Ihr Grundstück an und erstellen ein schriftliches Angebot. Wir melden uns am selben Werktag zurück.